Zwischen Pazifik und Ural….

…liegt nun das, mit über 10 Millionen Quadratkilometern, größte Land unseres Planeten.

7000km erstreckt sich diese Landmasse von Ost nach West. Wir haben leider nur elf Tage Zeit um vom Grenzübergang Mongolei bis zur Grenze nach Kasachstan zu gelangen.

Ein letztes Mal scheint uns die Mongolei doch nicht gehen zu lassen. Am Grenzposten angekommen wartet bereits eine lange Schlange von Fahrzeugen. Wir nutzen die Wartezeit und investieren unsere letzten mongolischen Tugrik. In einem kleinen Lebensmittelladen kaufen wir Mehl, asiatische Bandnudeln und ein Eis für uns beide.

Dann öffnet der Grenzposten das Tor und freundliche russische LKW-Fahrer winken uns nach vorne. Sie haben extra eine Lücke für uns gelassen.

Desinfektionsbad

Das Prozedere beginnt mit einigen Formularen, die wir ausfüllen und damit verschiedene Stationen durchlaufen müssen. Dann heißt es warten bis die Zöllner sich endlich Zeit für uns nehmen und neugierig unseren Sundancer erklimmen. Ein kurzer Blick in die Staufächer und Schränke genügt. Mit einer Art Fotoapparat werden unsere Schränke „gescannt“. Man erklärt uns, dass es eine Art tragbares Röntgengerät sei. Ich muss unweigerlich schmunzeln und zeige mich beeindruckt von der futuristischen Technik, die hier im letzten Winkel des Landes angewandt wird.

Nach gut vier Stunden werden wir durchgewinkt und erobern die ersten Kilometer Sibiriens. Die Landschaft wandelt sich hin von trockenem Steppengras zu üppig grünen und stark bewaldeten Gebieten. Die gut ausgebaute Straße schlängelt sich durch die nordischen Fichtenwälder und der Tag neigt sich dem Ende zu, als wir uns dem Baikalsee nähern.

Am nächsten Morgen erreichen wir das Ufer des Sees. Er gilt mit seiner unglaublichen Tiefe von 1642 Metern als tiefster, größter und ältester  Süßwasserspeicher der Erde. Die Einheimischen bezeichnen ihn auch als „heiliges Meer“.

Entlang der Uferstraße passieren wir immer wieder kleine Ortschaften. Die Einwohner bieten am Straßenrand ihre selbst gemachten Produkte an. Es gibt verschiedene geräucherte oder gesalzene Fische, eimerweise verschiedenste Beeren, Pilze und auch frische Pinienzapfen. Wir können nicht widerstehen und kaufen Beeren, Pilze, einen geräucherten Omul und ein paar Pinienzapfen. Der Omul ist eine endemische Fischart im Baikalsee und eine echte Spezialität, die nur hier zu bekommen ist.

Wenig später erspähe ich am Straßenrand einen unscheinbaren Pilz. Wir wenden prompt und finden an der Stelle gut 2kg junge Steinpilze. Sicherlich gäbe es noch mehr zu finden, aber das undurchdringliche Gestrüpp beheimatet riesige Kreuzspinnen. Wir entscheiden uns weiter zu fahren. Das Abendessen ist ohnehin gesichert.

Da strahlt die Sammlerin übers ganze Gesicht

Eine von hunderten.

Die dichten und nahezu undurchdringlichen Wälder wirken märchenhaft und bedrohlich zugleich. Hier scheint die Natur noch ursprünglich und unbezwungen. Die rauen Jahreszeiten tun wohl ihr übriges. Lange harte Winter und Mückenplagen im Sommer machen das Leben beschwerlich.

Eine schmale Forststraße führt uns zum Ufer des Sees. Wir schlagen unser Camp auf und während ich unseren Laderaum vom Staub und Sand der mongolischen Steppe befreie, bereitet Aneta das Abendessen zu. Die Aussicht über den schier unendlichen See ist wirklich beeindruckend.

Es fällt uns schwer zu begreifen, dass wir nun tatsächlich hier sind. Am nord-östlichsten Eckpunkt unserer Reise. Ebenso ist es unvorstellbar, dass wir in sechs Monaten den südlichsten Punkt unserer Reise erreichen sollen, den Oman – das ferne Persien. Viele tausend Kilometer entfernt von einander und von unserem Zuhause.

In den Medien haben wir tags zuvor erfahren, dass in der sibirischen Taiga seit Wochen bedrohliche Waldbrände wüten und wohl außer Kontrolle geraten sind. Wollte man aus Kostengründen, wie berichtet wird, nicht löschen, muß man nun mühevolle Evakuierungsmaßnah-men treffen.

Am dritten Tag erreichen wir die Millionenmetropole Irkutsk. Im Hinterhof eines Hotels dürfen wir parken und übernachten.

Angara, der einzige Abfluss des Baikal

Wir montieren unsere Fahrräder und ziehen los um die Stadt zu erkunden. Die Stadt, die sich am einzigen Abfluss des Sees befindet, ist voller Leben. Während die Angler am Fluss ihr Glück auf den begehrten Omul versuchen, schlendert die Jugend durch die schön angelegten Parks und entlang der Uferpromenade.

Fahrräder – unglaublich praktisch für sightseeing und schnelle Besorgungen.

Auf dem Wochenmarkt im Stadtzentrum decken wir uns mit frischem Gemüse, Honig und Kwac ein. Kwac, das russische Nationalgetränk, gebraut aus fermentiertem Schwarzbrot, ist auch für uns ein leckeres, erfrischendes Lieblingsgetränk geworden. Den besten Kwac unserer Reise werden wir jedoch hier auf dem Markt trinken.

Verschiedene Honigsorten.

Mitten im Baikalsee liegt die Insel Olchon mit ihrem Schamanenfelsen. In unserer knappen Zeit möchten wir ihr auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Die Straße führt mehrere hundert Kilometer in Richtung Norden. Es geht durch weite, verlassene Prärien und ursprüngliche Nadelwälder, vorbei an schamanischen Kultstätten bis zum Fährhafen.

Standard Heutransport

Ein Glück, dass wir Rangierleuchten verbaut haben.
Wellblechpiste auf dem Weg zu Übernachtungsplatz

Die kostenlose Fähre bringt uns spätnachmittags auf die Insel, wo wir im Dunklen unseren Nachtplatz erreichen. Abermals wird uns die Schönheit der Landschaft erst am nächsten Morgen sichtbar. Unser Platz befindet sich an einer der zahllosen Buchten der Insel. Neben uns entdecken wir einen knallgelben Iveco mit deutschem Kennzeichen. Wir lernen Lothar kennen. Ein echter Haudegen. Reisender der ersten Stunde, ehemaliger Elefanten- und Zirkusdompteur. Eine sehr nette und überaus interessante Begegnung. Zusammen verbringen wir die nächsten Tage hier, lauschen gespannt seinen Erzählungen über Reisen nach Afrika und spannenden Erlebnissen in seiner Zeit als Tiertrainer.

Lothars Homepage www.abenteurernatur.com

Die grüne Lunge unseres Kontinents steht in Flammen!

Lothar berichtet uns, dass schon seit einigen Tagen die Löschflugzeuge in diese Bucht zum Wassertanken kommen. Die Brände sind nun völlig außer Kontrolle geraten. Bis heute wurde in den Medien nur sehr wenig darüber berichtet. Es handelt sich um die schlimmsten Waldbrände in der Geschichte Sibiriens. Als wir im Zentrum der Insel den Schamanenfelsen besichtigen, sind wir ergriffen von der Anteilnahme der Schamanen. Sie sind aus den entlegensten Ecken des Landes gekommen, um hier für Regen zu bitten. Über uns trübt sich der Himmel ein und wir können den Rauch hunderte Jahre alter, brennender Urwälder sogar riechen.

Schamanenhaus
Blick auf den heiligen Schamanenfels
Alles in gespenstischen Rauch gehüllt.

An diesem Tag sprechen auch wir ein Gebet. Wir bitte um Regen, um ein Erlöschen der Flammen, welche in diesen Tagen und Wochen eines der wichtigsten Klimaschutzgebiete des Planeten zerstören.

Später erfahren wir, dass es in den kommenden Wochen, entgegen der Wetterprognosen, immer wieder geregnet hat und die Feuer erloschen seien. Über neun Millionen Hektar Waldfläche sind nun schon unwiderruflich zerstört. Forstexperten gehen davon aus, dass es 100 Jahre dauern wird bis der Waldbestand sich von dem Feuer erholt.

Wir verabschieden uns von Lothar und setzen betrübt unsere Reise fort. Uns bleiben leider nur noch wenige Tage um an die kasachische Grenze zu gelangen.

Auf dem Weg zurück nach Irkutsk stoppen wir nochmals an einem der Straßenstände, um Pilze zu kaufen. Die nächsten drei Tage werden Fahrtage und vor uns liegen noch über 3000 km Fahrstrecke, vorbei an Krasnoyarsk und Novosibirsk, durch die urigen Wälder Sibiriens. Alleine die Fahrt durch diese wunderschöne Landschaft ist atemberaubend.

Am Straßenrand sehen wir Wildwechsel-Warnschilder von Bären und Elchen. Leider bekommen wir selbst keine zu Gesicht. Angekommen in Novosibirsk besuchen wir noch einmal die DAF Werkstatt für einen schnellen Ölwechsel und Autowäsche. Nach tausenden Kilometern bekommt unser „Dicker“ eine Spezialwäsche und glänzt wie neu.

In zwei Tagen erreichen wir die kasachische Grenze und sind schon sehr gespannt was uns erwartet. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir den Getreidespeicher Russlands und freuen uns sehr über wild wachsenden Sanddorn am Wegesrand.

Kilometerlange Sonnenblumenfelder.

Leckerer selbst gemachter Sanddornsaft

Eines ist uns sofort klar. Dieses wunderbare, ursprüngliche und raue Land werden wir wieder besuchen. Dann aber mit viel Zeit im Gepäck!

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