Im Reich des Dschingis Khan Ep.2

Nach fünf wunderbaren Tagen packen wir unsere Sachen und machen uns auf den ruppigen Rückweg nach Khovt. In den Bergen hat es Starkregen gegeben. Es ist Regenzeit.

Als wir die andere Seite, das Flusstal erreichen, erleben wir eine schlammige Überraschung. Von den Bergen hat der Regen den losen Staub und Lehm herab gespült und die Piste in ein 30cm tiefes Meer aus Schlamm verwandelt. Meine anfängliche Enttäuschung wandelt sich schnell in Spaß als wir mit gut 40km/h durch die braune Brühe fetzen. Es spritz und gurgelt in den Radkästen. Unser Sundancer bekommt eine mongolische Schlammpackung par excellence.

Auf der folgenden Staubpiste „paniere“ ich uns noch kräftig und wir sehen aus wie geteert und gefedert. Was ein Spaß!

dirty pig

Zurück am Fluss packen wir unsere Wasserpumpe aus und spülen die „Kur“ wieder ab.

Vorher
Nacher

Unser Truck erstrahlt in neuem Glanz und rollt über die Straße nach Khovt. Auf der Suche nach neuem Trinkwasser treffen wir auf einen Deutschmongolen im „Heimaturlaub“. Ganz unvoreingenommen nimmt er sich Zeit um uns in seiner Heimatstadt zur Wasserquelle zu führen. Wir sind wiedermal verblüfft von der Großherzigkeit.  Vollgetankt verabschieden wir uns. Für uns geht es jetzt Richtung Norden, nach Ulaangom.

Aussicht über Khovt
so dreht er seine Runden….

Ein Nachplatz in der Steppe ist auch direkt gefunden. Zufrieden  liegen wir im Bett und beobachten noch lange die Sterne durch unsere große Dachluke.

Am Morgen darauf zeigen sich die ersten Ermüdungserscheinungen am Material. Die Auspuffhalterung ist gebrochen. Hatten wir sie doch erst schweißen lassen in Polen. Mit Bordmitteln und einem Stück Edelstahl eine einfache Reparatur.

Mechaniker-Yoga

Weiter geht es durch Steppe, Hochebenen und Gebirge. Zwei Nomaden die unseren Weg kreuzen bieten wir Zuflucht vor einem Gewitter. Die Verständigung klappt ganz hervorragend mit Stift und Zeichenblock. Die beiden machen uns klar, dass ihre Herden über 1000 Pferde, Schafe und Ziegen zählen. Nach dem Schauer setzen wir die Fahrt fort. Immer wieder sehen wir Adler und riesige Geier kreisen. Große Viehherden wandern durch das weite Land und die ersten Kamele sind zu sehen.

Pistenautobahn, in der Mongolei ganz normal

Plötzlich erkennen wir in der Ferne zwei Radfahrer. Wir trauen unsern Augen kaum und halten auf sie zu, stoppen und lernen Bex und Robert kennen.  Die beiden sind in Indonesien gestartet und auf dem Weg nach Tajikistan, wie wir. Es wird der Tisch ausgepackt und wir trinken ein kaltes Radler. Zwei Nomaden, welche mit einem Moped aus dem Nirgendwo angefahren kommen, bereichern die Runde und bringen selbst gemachten Käse. Verblüffend. Mitten im Nirgendwo entsteht eine schöne Reisefreundschaft.

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Herzlich verabschieden wir uns von den beiden Radfahrern mit der Vereinbarung uns in Kirgistan wieder zu treffen.  Noch lange spuken die beiden uns in den Köpfen herum und sind Thema unserer Gespräche.

Mit dem Fahrrad. So weit. Durch die Welt mit so wenig Gepäck. Sind die verrückt oder wir, oder ist das einfach nur faszinierend zu was Menschen fähig sind. Wir kommen zu dem Ergebnis, dass es Reisende wie wir sind, eine Reise verändert und, dass es nicht das WIE ist, wie man die Reise bestreitet, sondern das WARUM. Und da hat jeder seine eigene Motivation und Liebe. Vielleicht werden auch wir einmal mit nur zwei Rädern unsere Spuren durchs Nirgendwo ziehen.

Die faszinierende Landschaft verschlingt uns und unser Gefährt nun vollkommen. Erst aus der Vogelperspektive wird einem diese ewige Weite bewusst. Unglaublich welche Landmasse wir hier durchkreuzen.

Übernachtungsplatz mit Aussicht
Neugieriger freundlicher Besuch am Morgen

Einen engen steinigen Pass folgend überqueren wir einen weiteren Gebirgszug und beschließen ein paar Tage am Khyargas Nuur See zu verbringen. Einer der größten Seen der Mongolei. Etwas abseits finden wir einen Strandabschnitt, einige Kilometer lang und menschenleer. Weichsand macht uns das Vorankommen schwer, aber schließlich erreichen wir das Ufer. Sommergewitter ziehen über den See und nächtliche Stürme zwingen uns dazu unseren Truck in den Wind zu parken. Die Böen sind extrem und rütteln an uns als wären wir in einem Zelt.  Apropos Zelt. Was würden unsere beiden Radfahrer jetzt wohl machen…

Das Leben kann so schön sein
Asiatische Barbe

Tag für Tag verlieben wir uns mehr und mehr in unseren Sundancer. Es ist mehr als nur ein Expeditionsmobil für uns geworden. Es ist unser Zuhause geworden. Unsere Unterkunft, Unterschlupf und Sicherheit, Mobilität und Komfort in einem. Herrlich.

Es vergehen drei erholsame Tage. Der Fischvorrat ist wieder gefüllt und die Kleidung frisch gewaschen. Die Antriebswellen sind frisch abgeschmiert, alle Öle kontrolliert und der Ausgleichsbehälter der Fussbodenheizung ist jetzt auch wieder sicher befestigt nach dem Gerüttel der Pisten. Vor uns liegt das grüne Hochland im Norden der Mongolei. Das Gras wird zunehmend saftiger und die ersten Gebirgswälder zeigen sich. An einem Übernachtungsplatz am See bekommen wir Besuch von einem Nomadenjungen, welcher uns selbst gemachten Käse schenkt und drei junge Kälber hütet.

Fremdartige Vögel

Kuscheln mit Vierbeinern
Immer wieder prächtiger Uferbewuchs an den zahllosen Seen

Immer wieder begegnen wir herzlichen, freundlichen Nomaden. Überall huschen Ziesel und Hamster über die Weiden. Unzählige Greifvögel stellen ihrer Beute nach. Das Landschaftsbild ist geprägt von grünen Hügeln, steilen bewaldeten Bergen, und immer wieder erscheinen weiße Punkte in der Ferne, die Jurten der Nomaden.

Die Pisten werden zunehmend schlechter und wir kommen teilweise nur im Schritttempo voran. Erstaunlicherweise ist die Piste etappenweise von nagelneuem Asphalt unterbrochen.  Chinesische Unternehmen bilden hier ein neues Straßennetz. Es soll offenbar Teil der neuen Seidenstraße werden. Durch den Bau neuer Straßen wird ein Bereisen der Mongolei zwar wesentlich einfacher, andererseits verliert die Mongolei dadurch aber ihren Charme. Wir sehen das Ganze mit gemischten Gefühlen, obgleich wir doch froh sind für wenige Augenblicke auf neuem Asphalt zu schweben.

Animalische Straßensperre
Verlorenes Brennholz am Straßenrand beschert uns immer wieder schöne Lagerfeuer

Am Ende der Ausbaustrecke erklimmen wir einen Berg auf dem wir den Eindruck bekommen als wäre hier die Zeit stehen geblieben. So weit das Auge reicht erblicken wir blühende Wiesen von Edelweiss und Enzian. Es fällt uns schwer zwischen der wunderschönen Blumenvielfalt hindurch zu balancieren ohne sie zu zertreten. Eine echte Augenweide.

Beflügelt von der mongolischen Schönheit setzen wir singend unsere Fahrt Richtung Osten fort….Dsching-Dschin-Dschingis Khan…..

2 Gedanken zu „Im Reich des Dschingis Khan Ep.2“

  1. Hi ihr Zwei 🤗,
    was für tolle Eindrücke!!!
    Danke für den schönen Bericht aus diesem fernen weiten Land!!
    Wir freuen uns auf die Fortsetzung 😊 – bis dahin alles Gute 🍀
    Claudia und Mathias

    1. Hallo ihr Zwei,
      Vielen Dank! Noch ein bißchen und ihr könnt die wunderbaren Erlebnisse selbst erleben! 🤗
      Es lohnt sich auf jeden Fall! Das Land ist ein Traum!
      Liebe Grüße
      Aneta und Christian

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